Erfolg nicht nur an Titeln zu messen

//von J. Brüggemann

Bissendorfer Handballer kooperieren mit Grundschulen – Ziel: Spaß am Sport wecken

Bei Schrittfehlern und Übertritten am Kreis drückten die Schiedsrichter schon mal beide Augen zu; Tore zählten die Zweitklässler zwar, aber am Ende standen ausnahmslos Unentschieden in der Statistik: Beim Handball-Vormittag des TV Bissendorf-Holte in Kooperation mit der örtlichen Grundschule galten andere Regeln als im regulären Spielbetrieb.

Eine Siegerehrung gab es nach dem Turnier dennoch. Martina Rußwinkel hielt aber für alle rund 50 Zweitklässler eine Medaille mit goldenem Schein parat. „Alle sind Sieger“, betonte sie. 15 Jahre lang hat sie die Kooperation mit den Grundschulen organisiert. In diesem Jahr waren andere dran: Mit Dominik Schicke und Stephen Milius haben zwei junge Studenten das Ruder übernommen. Unterstützung gab es beim Spiel-Vormittag auch von einigen Spielern der Männer-Mannschaften des TVB. „Das ist ein Highlight für die Kinder“, sagte Rußwinkel.

„So eine Geschichte ist für die Kinder unheimlich wichtig und nachhaltig“, findet Christiane Tebbenhoff. „Ballspiele in der Schule sind nett, aber hier haben die Kinder eine ganz andere Motivation“, erklärte die Sport-Fachleiterin an der Grundschule. Mannschaftssport zu betreiben sei ebenso erstrebenswert, wie die Nähe zum Verein herzustellen, die die Kinder ohne solche Aktionen nicht fänden. Die Schule kooperiert dabei nicht nur mit den Handballern, sondern auch mit anderen Sportabteilungen.

Der TVB ist Handball-Vormacht in der Gemeinde. In zwei Unterrichtsstunden bekamen die Zweitklässler die Grundlagen des Handballs erklärt, bevor sie zum Spielfest aufbrachen. Die Kooperation mit den Schulen sei lohnenswert, macht TVB-Jugendkoordinator Jürgen Brüggemann keinen Hehl daraus, dass es auch um Nachwuchswerbung geht. „In dieser Intensität und Häufigkeit sind wir in der Handballregion Osnabrück ein Stück weit Vorreiter“, sagt er. Auch die Grundschulen in Wissingen und Schledehausen bekommen regelmäßig Besuch von den Handballern. Bei den Kleinsten soll eine „absolut spielerische Basis“ ohne Sieger und Verlierer gelegt werden, sagt Brüggemann. Dabei entdecken einige Kinder den Sport und den Verein für sich.

Auch wenn Dominik Schicke dem TVB inzwischen sehr verbunden ist, steht bei seinem Engagement nicht ausschließlich der Club im Vordergrund. „Es geht nicht nur um den Verein, sondern um die Sportart“, sagt der 23-jährige Lehramtsstudent, der sich genau wie das 24-jährige Bissendorfer Urgestein Milius im Nachwuchsbereich engagiert. Dem Sport, den Schicke vor seinem Studium in Osnabrück in seiner lipperländischen Heimat ausgeübt hat, will er zu mehr Popularität verhelfen. „Wenn wir mit solchen Aktionen zwei, drei Kinder für unseren Sport begeistern, haben wir unser Ziel erfüllt“, betont er.

Mit dem WM-Titel in Brasilien haben die Fußballer im vergangenen Jahr einen Schub bekommen. Auch die deutschen Handballer schlugen sich zu Beginn dieses Jahres in Katar achtbar, „aber dadurch, dass das nicht im Fernsehen zu sehen war, hat kaum jemand etwas davon mitbekommen. Umso mehr muss man im Training überzeugen“, sagt Schicke. Drei Mannschaften, von den Minis bis zur E-Jugend, trainiert er in Bissendorf. Die praxisnahe Nachwuchsarbeit kann der 23-Jährige gut mit seinem Studienziel verbinden. Er studiert Lehramt, Mathe und Sport.

„Dominik hat eine tolle Ansprache an die kleinen Kinder“, ist Rußwinkel begeistert. Andere wollen lieber ältere Teams trainieren und mit ihnen Erfolg haben. Schicke nicht. „Erfolg kann man im Kindersport nicht an Titeln festmachen“, sagt er. „Wenn ich sehe, dass die Kinder Spaß haben und ich dazu beigetragen habe, dann ist das auch ein Erfolg, und zwar kein unwesentlicher.“

Autor: Johannes Kapitza

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 05.03.2015

Folgende TVB-Trainer haben mitgewirkt: Dominik Schicke, Martina Rußwinkel, Stephen Milius, Steffen Brüggemann und Sebastian Nüße