Handballer führen elektronischen Spielbericht ein

//von J. Brüggemann

Tastatur statt Kugelschreiber, PIN-Nummer statt Unterschrift: Im niedersächsischen Handball wird zur neuen Saison der elektronische Spielbericht eingeführt. Die Technik bringt Vorteile mit sich, aber zuvor auch einen umfangreichen Schulungsaufwand.

Die Zeiten, in denen Mannschaftsaufstellungen in einer Schrift ausgefüllt wurden, bei deren Entzifferung selbst Ärzte und Apotheker Probleme bekommen hätten, sind vorbei. Mit Anpfiff der neuen Saison werden Spielernamen, Zeitstrafen und Tore digital erfasst. „nuScore“ heißt das Programm, das mit dem Ligasystem „nuLiga“ verbunden ist. Damit besteht auch die Möglichkeit, die Torschützen und den Spielverlauf online live zu verfolgen.

„Das ist ein Fortschritt“, findet Jürgen Brüggemann, Abteilungsleiter beim TV Bissendorf-Holte. Der elektronische Spielbericht gilt von den Erwachsenenteams bis runter in die D-Jugend. Nur die Minis und die E-Junioren sind von der Regel ausgenommen.

Umfangreiche Schulungen

Von der Osnabrücker Handballregion sind die Vereine nach Kräften unterstützt worden. Die Ehrenamtlichen haben schließlich auch so genug zu tun. Zeitnehmer, Sekretäre und Schiedsrichter, die von den Klubs gestellt werden, wurden vom Landesverband geschult. Auch Trainer und Betreuer können einiges erledigen, etwa die Aufstellung des eigenen Teams vorab von zuhause ausfüllen. Spielberechtigte Spieler sind dabei bereits durch das angeschlossene Passsystem hinterlegt. Schon nach wenigen Buchstaben erkennt das System die Spieler.

Jede Vorarbeit entlastet das Kampfgericht

Mit jeder Vorarbeit wird das Kampfgericht am Spieltag entlastet, denn „Sekretär zu sein, ist kein Spaß“, spitzt es Brüggemann zu. Die Anschreiber erhalten von den Gästeteams eine Mannschaftsliste, die bis zu einem gewissen Zeitpunkt vor dem Anpfiff eingepflegt sein muss. Schiedsrichter und Mannschaftsverantwortliche segnen den Spielbericht digital ab. Was früher eine Unterschrift war, ist heute eine PIN-Nummer.

Mehr Aufmerksamkeit und ein eingespieltes Team

Dann kann die Partie beginnen – und für die Sekretäre die eigentliche Arbeit, wenn Torschützen und Strafen mit wenigen Klicks erfasst werden. Das erfordert wohl mehr Aufmerksamkeit als früher und ein eingespieltes Team am Kampfgericht, erklärt Lars Sprenger den Trainern und Betreuern des TV Bissendorf bei einer Schulung, die der Verein vertiefend abends unter der Woche angesetzt hat. Der TVB hat den ehemaligen Schiedsrichter als seinen Fachmann für die digitale Spiel- und Ligenverwaltung gewinnen können, aber auch Sprenger gerät bei der Demonstration der neuen Technik an seine Grenzen. Der Testserver, der vom Verband zum Ausprobieren eingerichtet worden ist, kokettiert mit all seinen Features. Womöglich würde es helfen, alle gerade erledigten Eingaben wieder zu löschen und noch mal von vorn anzufangen – der klassische Vorführeffekt.

In Bissendorf heißt es: Das kriegen wir gemeinsam hin

Es wird wohl einige Zeit brauchen, bis das neue technische System allen Klubs in der Region ans Herz gewachsen ist, aber „das ist machbar“, sagt Sprenger, und auch Brüggemann macht den Vereinskameraden in Bissendorf Mut: „Keiner wird alleine gelassen. Das kriegen wir gemeinsam hin.“ Der Abteilungsleiter weiß auch, dass sich die Vereine über jeden Ehrenamtlichen freuen können, der sich engagiert. „Das ist schon eine Flotte“, sagt Brüggemann über die stattliche Zahl der Freiwilligen, die dabei helfen, dass der Spielbetrieb rundläuft.

„Nach einer Saison wird das alles selbstverständlich sein“

Den Bissendorfern, die mit den Oberliga-Männern das höchste Team in Stadt und Landkreis Osnabrück im Spielbetrieb stellen, geht es dabei noch gut. Eine Internetverbindung am Kampfgericht ist nicht in jeder Sporthalle selbstverständlich. Was passiert, wenn die Technik ausfällt und von Hand auf Papier weiter Statistik geführt werden muss, ist ein eigenes Kapitel. Die Handlungsanleitung für den neuen Spielbericht umfasst fast 70 Seiten und ist in den letzten Wochen nicht nur einmal überarbeitet worden.

Bei allen technischen Einrichtungen – angefangen bei der Anschaffung neuer Laptops für den Verein – und allem Schulungsaufwand findet Brüggemann die Neuerung zukunftsweisend. „Andere Sportarten arbeiten bereits auch so und die Vereine haben dadurch die Möglichkeit, einen Liveticker auf ihrer Homepage anzubieten“, sieht er auch Vorteile für die Klubs. Lange werde die Gewöhnung nicht brauchen: „Nach einer Saison wird das alles selbstverständlich sein“, hofft er.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung