NOZ: „Bock aufs Nationaltrikot“ – Osnabrücker Handballer Timmermeister hat richtig Großes vor
Aus dem Osnabrücker Land zum Handball-Profi in der Bundesliga? Robert Timmermeister, früher beim TV Bissendorf-Holte, hat das über Umwege geschafft. Und ist noch lange nicht am Ziel.
Vier Tage frei, wann hat es das zuletzt gegeben? „Gefühlt ewig nicht“, sagt Robert Timmermeister. Der 22-Jährige, geboren in GMHütte, aufgewachsen in Osnabrück-Voxtrup und sportlich erzogen beim TV Bissendorf-Holte, ist Bundesliga-Handballer bei den Rhein-Neckar Löwen (RNL) in Mannheim. Als Profi hat er nicht viel Freizeit, jetzt aber ist Länderspielpause: Ein Hamburg-Trip mit seiner Freundin steht an. Die Osnabrücker Heimat liegt ja quasi auf dem Weg, ein Stopp „ist aber erst mal nicht eingeplant“, sagt Timmermeister. Dann muss das Pressegespräch eben herhalten dafür, mal zu berichten, wie es denn so lief in den letzten Jahren. So viel vorweg: ziemlich gut.
Deutscher A-Jugendmeister als Kapitän
Mit sieben Jahren fing Timmermeister an, Handball zu spielen. Mit 15 wurde er Niedersachsenmeister mit der Bissendorfer C-Jugend, mit 16 klopfte der große Handball an – und Timmermeister wechselte in den RNL-Nachwuchs. Wobei an den großen Handball damals noch nicht zu denken war. „Ich hatte einfach immer Spaß an dem Sport. Auf ein Handball-Internat wollte ich auch nie wirklich“, berichtet Timmermeister. Dennoch ging er. „Ohne, dass ich wusste, dass das so endet.“ Was hier tragisch klingt, ist so tragisch eigentlich nicht. Denn zwar musste Timmermeister erst mal ankommen im Süden, „mit der Distanz klarkommen, mit den neuen Leuten.“ Das klappte aber ganz ordentlich. „Und am Ende der A-Jugend hat man gemerkt, dass es läuft“, erzählt er nüchtern vom Deutschen Meistertitel 2022 als Kapitän. Das Ende war das aber noch lange nicht.
Es folgten zwei Jahre, in denen er sich rantasten durfte an die erste Mannschaft, in beiden Spielzeiten zusammengenommen sogar 23 Einsätze in der Handball-Bundesliga (HBL) bekam. Trotzdem wollte Timmermeister noch mehr Spielpraxis sammeln und ließ sich deshalb nach Dänemark, ins Mutterland des Handballs, zu KIF Kolding ausleihen. „Das war eine krasse Zeit“ beim zwölfmaligen dänischen Meister, erinnert sich der 2,03 Meter lange, linke Rückraumspieler. „Vor allem persönlich, weil man als Erwachsener für sich allein sorgen muss, in einem anderen Land, mit eigener Sprache und eigener Währung.“ Und durch die Reifung als Mensch sei er auch als Sportler mit mehr Selbstbewusstsein nach einem Jahr nach Deutschland zurückgekehrt.
Dort ließ sich Timmermeister ein weiteres Jahr ausleihen, diesmal zum benachbarten Zweitligisten HBW Balingen-Weilstetten. „Das war die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Ich konnte noch mal mehr Spielzeit sammeln.“ Mit Balingen zog Timmermeister 2024/25 sogar ins DHB-Pokal-Halbfinale ein, als erster Zweitligist seit Jahrzehnten. „Da haben wir auch Bundesligisten geschlagen und uns irgendwie in einen Rausch gespielt.“ Fürs Finale reichte es nicht – dafür schlug das Team im Spiel um Platz drei mit 32:31 die Bundesligisten der Rhein-Neckar Löwen, noch immer Timmermeisters eigentlichen Arbeitgeber. „Es stand ja schon vorher fest, dass ich wiederkommen würde.“ Dennoch: das perfekte Bewerbungsschreiben vor der Wiedereingliederung bei den Löwen.
Dort gehört er in dieser Spielzeit zum erweiterten Stammpersonal, absolvierte verletzungsbedingt 19 von 25 möglichen Spielen. Trotz einer Verletzung am Innenmeniskus (inklusive Operation) verlängerten die Löwen jüngst bis 2028 mit Timmermeister. „Robert hat sich sowohl charakterlich als auch sportlich genauso eingebracht, wie wir uns das vorgestellt haben“, sagte Uwe Gensheimer, Sportlicher Leiter der Rhein-Neckar Löwen. „Er ist ehrgeizig, lernwillig und bringt die körperlichen Voraussetzungen mit, um sich dauerhaft in der Bundesliga zu behaupten.“ Lob für Timmermeister von einem der größten deutschen Handballer der Geschichte – kann man mal so machen.
In Bissendorf gibt’s noch immer ein paar Tipps
Es ist eben ein anderes Level, auf dem sich Timmermeister in der Kurpfalz bewegt. „Das war am Anfang natürlich etwas ganz Besonderes“, sagt er, der mit dem 173-maligen Nationalspieler Patrick Groetzki gemeinsam auf der ‚Platte‘ steht und mit Nationaltorwart David Späth sogar dick befreundet ist. Ob dieser den Kumpel Timmermeister schon einmal bei Bundestrainer Alfred Gislason empfohlen hat? „Ich hoffe für ihn“, sagt Timmermeister schmunzelnd. Aber im Ernst, U21-Nationalspieler war er schon. Und: „Ich will dafür sorgen, dass der Bundestrainer irgendwann nicht mehr an mir vorbeikommt. Aufs Nationaltrikot habe ich schon Bock. Das ist auf jeden Fall ein realistisches Ziel.“
Es hätte aber freilich auch den ‚Nachteil‘, dass mehrere freie Tage am Stück dann noch seltener würden und Timmermeister noch seltener in Osnabrück sein könnte. „Wenn ich da bin, schaue ich immer noch mal in der Halle in Bissendorf vorbei“, sagt er. Bruder Richard ist Co-Trainer der C-Jugend des TVB. „Aber auch Stephen Milius oder Sebastian Nüße sind Kandidaten, die man immer in der Halle trifft. Mit denen habe ich noch Kontakt“, sagt Timmermeister und scherzt: „Die haben auch immer noch einen Tipp für mich.“ Und darauf zu verzichten... Da überlegt man es sich selbstredend besser zweimal, ob man wirklich ins Nationalteam möchte oder mehr freie Tage lieber in der Heimat verbringt.
NOZ: von Jacob Alschner | 22.03.2026, 09:25 Uhr | Update am 23.03.2026
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