Sommerinterview mit Hauke Rehme-Schlüter
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Fragen und Moderation Niklas Rehme-Schlüter
Hi Hauke. Toll, dass du für das Gespräch etwas Zeit gefunden hast. Lass uns direkt einsteigen. Im Hinblick auf die neue Saison lassen sich einige personelle Veränderungen erkennen. Mit Tobias „Ello“ Elstro, Jan „Otti“ Hellmann sowie Niklas Nolte hat die Zweite drei Abgänge zu verzeichnen. Die beiden Ersteren waren über lange Jahre Teil der Zweiten und repräsentierten auf dem Spielfeld einen großen Erfahrungsschatz, den sie nicht selten in kritischen Spielmomenten zu nutzen wussten. Wie werden diese Abgänge kompensiert?
Ello und Otti waren über ein Jahrzehnt fester Bestandteil der Zweiten und sind natürlich ein herber Verlust. Mit Niklas verlässt uns außerdem noch ein junger Torhüter mit hoher Qualität. Alle drei fallen allerdings nicht plötzlich weg. Ello und Otti sind während der letzten Saison Vater geworden und deswegen bereits letzte Saison kürzer getreten. Otti hat außerdem noch geheiratet und ist häufig wegen einer Verletzung am Daumen ausgefallen. Niklas studiert seit letztem Oktober in Paderborn und stand uns deswegen nur selten zur Verfügung. Alle drei sind definitiv Verluste, aber diese mussten wir größtenteils schon letztes Jahr kompensieren. Neben diesen Abgängen wird leider Matthias Feldmann einen Großteil der neuen Saison ausfallen, da er sich im letzten Saisonspiel eine komplizierte Verletzung am Ellenbogen zugezogen hat. Wir haben uns deswegen im Training schon darauf vorbereitet, auf der rechten Seite im Rückraum mit Rechtshändern zu spielen.
Drei Abgängen steht mit Timon Hoge aus der eigenen Jugend nur ein Neuzugang gegenüber. Wie passt das zusammen?
Es ist korrekt, dass wir zur neuen Saison „nur“ einen Neuzugang haben, allerdings sind mit Jonas Wültener und Philipp Meyer zu Uphausen während der letzten Saison schon zwei tolle Spieler dazugekommen. Jonas hat sich nach langer Handballpause im Tor wieder super eingespielt. Philipp gewinnt nach ebenfalls langer Pause von Spiel zu Spiel an Sicherheit bei seinen Aktionen und wird dadurch für uns immer wichtiger. Mit Timon bekommen wir zudem noch einen sehr guten Rückraumspieler aus der A-Jugend hinzu, an dem wir als Mannschaft und auch die Zuschauer noch viel Spaß haben werden.
Ist die Mannschaft durch die Ab- und Zugänge stärker als letztes Jahr?
Ich glaube, dass die Mannschaft stärker ist als letzte Saison, allerdings liegt das nicht nur an den Neuzugängen, sondern vor allem daran, dass sich viele Spieler gesteigert haben und nun weiter sind als noch vor einem Jahr. Andererseits ist das zweite Jahr nach einem Aufstieg auch immer schwieriger, da nun alle Gegner unsere Spielweise kennen und zudem die Euphorie eines Aufstiegs fehlt. Diese beiden Punkte sollte man nicht unterschätzen. Außerdem sind wir Vierter in der Tabelle geworden. Das motiviert andere Mannschaften natürlich noch mehr, gegen uns alles zu geben. Unterschätzen wird uns in der neuen Saison sicherlich keiner mehr. Zusammengefasst sind wir meiner Meinung nach stärker, aber es wird trotzdem nicht leichter als letzte Saison.
Erst bist du zurückgetreten, nun hast du spät in der Vorbereitung doch als Trainer für die neue Saison zugesagt. Hat das die Vorbereitung auf die neue Saison beeinflusst?
Definitiv hatte diese Situation Einfluss auf die Vorbereitung und vor allem auf die Planung für die neue Saison. Als ich im Februar erklärt habe, nicht weiter als Trainer zur Verfügung zu stehen, war meine berufliche Zukunft nach meinem Studium noch nicht geklärt. Dadurch war ich zu diesem Schritt gezwungen. Dadurch, dass die Zukunft des Trainerpostens nicht geklärt war, war es schwieriger, Neuzugänge von uns zu überzeugen. Außerdem haben wir die Vorbereitung unter insgesamt fünf Leuten aufgeteilt, da ich bis Anfang August durch meine Masterarbeit zeitlich sehr eingespannt war. Da ich außerdem nicht davon ausgegangen bin, dass ich die Zweite weiterhin trainiere, bin ich die letzten zwei Wochen vor dem Saisonstart im Urlaub. Als Mannschaft sind wir durch all diese Umstände definitiv noch nicht so weit, wie ich sie gerne hätte. Eine Ausrede soll dies aber definitiv nicht sein. Wir sind trotzdem stark genug, um jeden Gegner zu schlagen.
Wer sind deiner Meinung nach die Meisterschaftsfavoriten?
Eicken und Dinklage erwarte ich wieder weit oben. Eicken schätze ich dabei noch einen Tick stärker ein als Dinklage. Außerdem kommt mit Jever ein unfassbar starker Aufsteiger in die Liga. Vorletzte Saison haben sie die Landesklasse ohne Punktverlust gewonnen, durften allerdings nicht aufsteigen. Letzte Saison haben sie lediglich in ihrem allerletzten Saisonspiel Punkte abgegeben. Auf diesen Aufsteiger bin ich sehr gespannt. Weitere Kandidaten sind sicherlich Bramsche als Absteiger und Wilhelmshaven.
Was sind die Ziele für die neue Saison?
Nach dieser Vorbereitung ist es für mich schwer einzuschätzen, wie wir in die neue Saison starten. In den ersten fünf Spielen stehen drei Derbys an und Duelle mit Dinklage und Jever. Das ist ein hartes Auftaktprogramm. Ziel ist selbstverständlich erstmal der Nichtabstieg. Nach den ersten fünf Spielen werden wir uns dann als Mannschaft zusammensetzen und gemeinsam Ziele definieren, die hoffentlich ambitionierter sind als der Nichtabstieg.
Welche Faktoren spielen für den Mannschaftserfolg in der kommenden Saison eine wesentliche Rolle?
Ich bin der Meinung, dass wir in unseren Reihen genug Talent und Fähigkeiten besitzen, um mit jeder Mannschaft in der Liga mitzuhalten. Woran es uns mangelt, sind Spieler, die andere durch eine aggressive und engagierte Spielweise mitreißen. Uns fehlt vor allem auswärts die richtige Einstellung. Da wir nicht über einen Spieler verfügen, der als Motivationsleader vorangeht, müssen wir dies als Mannschaft kompensieren und uns gegenseitig zur Höchstform pushen. Wenn wir das hinbekommen, werden wir erfolgreicher sein als letztes Jahr.
Welchen Eindruck hast du momentan von der „Chemie“ im Team?
Die Stimmung im und rund um das Team ist super. Es macht unglaublich viel Spaß, mit der ganzen Mannschaft zusammen zu sein. Um erfolgreich Handball zu spielen, ist die Stimmung manchmal sogar zu gut, da wir vor dem Spiel oftmals nicht von locker und lustig auf aggressiv und konzentriert umstellen können. Daran müssen wir noch arbeiten, aber ich habe es lieber so als andersrum.
In den letzten 3 Jahren sind einige junge Spieler in das Team gestoßen. Gleichzeitig sind ältere Spieler, die über lange Jahre als gesetzt galten, aus diversen Gründen kürzer getreten. Was erwartest du nun von den jungen Spielern oder jenen, die aus der A-Jugend in den nächsten 2 Jahren nachrücken und in Teilen bereits bei einigen Spielen aushelfen werden?
Erstmal muss ich sagen, dass sich menschlich alle jungen Spieler super integriert haben, da sehe ich wenig Verbesserungspotenzial. Handballerisch erwarte ich nächstes Jahr, dass sie mehr Verantwortung übernehmen und lernen, in der Abwehr ihren Körper einzusetzen. Dabei mangelt es nicht zwangsläufig an Kraft, sondern viel mehr am Timing und an der Koordination, um nicht lediglich mit den Armen zu arbeiten. Im Angriff gehen die meisten Aktionen noch von den erfahreneren Spielern aus. Ich hoffe, dass die jüngeren Spieler sich einfach mehr zutrauen. An Talent mangelt es definitiv nicht.
Wie häufig wir von A-Jugendlichen unterstützt werden, müssen wir mal abwarten. Wir sind in der Mannschaft eigentlich schon zu viele Spieler. Nur auf der Torhüterposition sind wir auf Unterstützung angewiesen, da wir mit Jonas nur einen Torhüter haben. Generell sollten sich die A- Jugendlichen in unserem Training anstrengen und mir zeigen, dass sie mit den etablierten Leuten mithalten können. Bringt ein Spieler regelmäßig gute Leistungen im Training der zweiten Herren, dann wird er auch für die Spiele nominiert.
Die Zweite besteht momentan aus Spielern, von denen keiner älter als 28 Jahre ist. Die meisten sind sogar einige Jahre jünger. Fehlt solch einer homogenen Mannschaftsstruktur in dieser Hinsicht nicht manchmal ein „alter Hase“?
Ich glaube nicht. In den letzten Jahren waren in den entscheidenden Phasen meist Sebastian Nüße und Christopher Hatzopoulos die beiden Spieler, die in der zweiten Herren sehr viel Verantwortung übernommen haben. Sebastian hat zusätzlich durch seinen langjährigen Trainerjob in der C-Jugend einen riesigen Handballverstand. Meiner Meinung nach wird man handballerisch auch nicht durch das reine Alter ein „alter Hase“, sondern dadurch, dass man oft Verantwortung in schwierigen Situationen übernommen hat. An solchen Spielern mangelt es uns meiner Meinung nach nicht.
Inwieweit unterscheidet sich deiner Meinung nach die Trainerarbeit mit jüngeren Spielern von der mit älteren Routiniers?
Manchmal gibt es Leute, die meinen, dass sie sich aufgrund ihres Alters keine neuen Bewegungen oder Fähigkeiten mehr aneignen können. Meiner Meinung nach ist es vor allem diese Einstellung, die das Lernen verhindert. Ich habe keinen Spieler in der zweiten Herren bisher erlebt, der diese Einstellung gezeigt hat, selbst wenn sie 10-15 Jahre älter waren als ich. Unsere „älteren“ Spieler sind alle sehr offen für Neues, deswegen merke ich da keine großen Unterschiede.
Nun stehen in der kommenden Spielzeit wieder einige Derbys an. Den Bissendorfer Lesern wird das ein oder andere Derby noch in Erinnerung sein. Auf welche Spiele freust du dich am meisten?
Erstmal muss ich sagen, dass es fantastisch ist, dass wir so viele Derbys haben. Ich freue mich auf alle Derbys. Unsere weiteste Fahrt bis zur Winterpause ist die Reise nach Nordhorn. Das ist genial. Letzte Saison waren die beiden Derbys gegen Eicken die spektakulärsten und spannendsten. Ich gehe auch in der kommenden Saison wieder von intensiven und engen Duellen gegen Eicken aus. Darauf kann sich jeder Zuschauer schon jetzt freuen und sollte sich die Termine im Kalender notieren. Darüber hinaus sind für mich persönlich die Duelle gegen Osnabrück und Georgsmarienhütte besonders, da ich viele Freunde und Bekannte in den Mannschaften habe. Aber auch die Derbys gegen Bramsche und Bohmte werden tolle Ereignisse für uns, da sich die Spieler untereinander lange Jahre kennen. Generell hoffen wir natürlich in den Derbys auf Unterstützung und viele Zuschauer, da die Fahrten kurz sind.
Welche Pläne hast du mit der Mannschaft in den nächsten Jahren? Dürfen die Bissendorfer Zuschauer auf einen in der Vorbereitung befindlichen Aufstieg hoffen?
Langfristig ist eine zweite Herren in der Verbandsliga durchaus möglich und wünschenswert, wenn man bedenkt, wie viele talentierte junge Spieler jedes Jahr aus der eigenen A-Jugend hochkommen. Uns fehlt es allerdings noch an der richtigen Aggressivität in der Abwehr, um konstant erfolgreich zu sein. Vor allem auswärts agieren wir teils lethargisch in der Abwehr. Ohne die richtige Einstellung werden wir nicht konstant spielen können und es wird uns nicht möglich sein, Meister in der Landesliga zu werden.
Im ersten Saisonspiel spielt die Zweite zu Hause gegen Bohmte. Letzte Saison gab es im Heimspiel einen klaren Sieg. Wird sich dieser wiederholen?
Das wäre schön, aber ich gehe von einem deutlich engeren Spiel aus. Die Bohmter Mannschaft ist seit Jahren gut eingespielt und wird alles für einen guten Auftakt geben. Ich sehe uns im ersten Saisonspiel schon als leichten Favoriten, aber nur, wenn wir von der ersten Minute an konzentriert sind und den Sieg aus der letzten Rückrunde vergessen.







