Zwischen Bodenhaftung und Begeisterung

//von J. Brüggemann

Foto: Moritz Frankenberg

Bissendorfs Handballer schlagen sich nach Umbruch überraschend gut in der Oberliga – Mario Reiser geht im Sommer

Vor der Saison trauten Beobachter dem TV Bissendorf-Holte in der Handball-Oberliga vor allem eine Hauptrolle im Abstiegskampf zu. „Dass es nicht so gekommen ist, ist ein Verdienst des Trainers“, lobt Teammanager Klaus Rußwinkel die Arbeit von Malte Mischok. Die junge Mannschaft hat den Verlust von Leistungsträgern verkraftet und behauptet sich im Mittelfeld der Liga.

„Wir wussten überhaupt nicht, wo wir stehen “, sagt Rußwinkel über die ungewisse Lage zum Saisonbeginn nach den Abgängen von Louis Kamp, Steffen Brüggemann, Stefan Thünemann und Torwart Colin Räbiger. Nach elf von 26 Spielen ist die Ungewissheit gewichen: Der TVB schlägt sich achtbar und hat mit dem Treiben im Tabellenkeller bislang nichts zu tun. „Die Jungs müssen die Bodenhaftung behalten“, mahnt Rußwinkel, aber er kann nicht verhehlen, was er von der Leistung bis zur Weihnachtspause hält: „Wir sind alle total begeistert.“

Malte Mischok, der Trainer aus Westfalen, der bei seiner Verpflichtung ein unbeschriebenes Blatt in Niedersachsen war, ist ein entscheidender Faktor. „Er ist sehr gut eingeschlagen, passt zu uns und hat Spaß, die Mannschaft zu entwickeln“, sagt
Rußwinkel. Zwischen den Feiertagen legte das Team freiwillig drei Trainingseinheiten ein – ein Beleg dafür, dass die Chemie stimmt. Vor allem ein taktischer Schachzug zahlt sich aus: Mischok führte eine offensive 3-2-1-Deckung ein. „Das macht den Gegnern teilweise schwer zu schaffen. Unsere Jungs sind schnell und wendig und haben die Taktik schnell perfektioniert“, erklärt Rußwinkel, warum sich die Bissendorfer auch gegen Gegner behaupten können, die körperlich überlegen sind.

So ist das Selbstvertrauen im Saisonverlauf gewachsen. In Achim/Baden und gegen Angstgegner Neerstedt trat der TVB souverän auf. Die Knieverletzung des einzigen etatmäßigen Kreisläufers Simon Mayer wurde – vor allem durch Christoph Stüve – kompensiert. Mayers Comeback ist in Sicht: „Er trainiert schon wieder. Vielleicht kann er bald schon ein paar Minuten spielen“, sagt Rußwinkel.

An diesem Samstag startet der TVB in Bremervörde in den zweiten Teil der Saison. Danach stehen mit Delmenhorst und Fredenbeck II zwei Gegner auf dem Spielplan, die in der Tabelle unter den Bissendorfern rangieren. Der Teammanager ist „gespannt, wie die Jungs das lösen“, und blickt bereits über das Saisonende hinaus. Es sei von Vorteil, dieses Mal frühzeitig mit einem feststehenden Trainer den Kader planen zu können. Viele Spieler hätten zugesagt, in Bissendorf zu bleiben, sagt Rußwinkel. Mario Reiser steht indes als Abgang fest. Er geht zum Studium nach Oldenburg. Mit Timo Baune (Studium in Hannover) laufen die Gespräche noch.

Bei allem Interesse, das Fernziel 3. Liga im Blick zu behalten, geht beim TVB weiter Augenmaß vor, wie der Teammanager deutlich macht: „Wir werden nur Leute für Positionen holen, auf denen wir eine Vakanz haben. Aber wir werden unseren
Eigengewächsen keine Spieler vor die Nase setzen, die uns nicht verstärken.“

Autor: Johannes Kapitza

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung: 07.01.2017